Vortrag von Thomas Bauer: Energiewende- warum der Markt schon längst entschieden hat.

Der globale Energiemarkt befindet sich in einem unumkehrbaren Wandel. Getrieben durch physikalische Effizienz und massive Kostenvorteile gegenüber fossilen Brennstoffen und Kernkraft, ist der Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Speichersystemen keine rein politische Entscheidung mehr, sondern eine ökonomische Zwangsläufigkeit. Für unsere Gemeinde bietet dieses „exponentielle Wachstum“ der neuen Technologien die historische Chance, durch aktive Gestaltung – etwa über Bürgergenossenschaften und Partnerschaften – erhebliche Gewerbesteuereinnahmen und lokale Wertschöpfung zu generieren.

Der Vergleich: Warum Erneuerbare wirtschaftlich gewinnen

Ein zentrales Argument der aktuellen Debatte ist die Wirtschaftlichkeit. Die vorliegenden Daten zeigen jedoch ein eindeutiges Bild bei den Stromgestehungskosten (LCOE) und der Effizienz:

1. Kostenvergleich (LCOE)

  • Photovoltaik: Mit Kosten von 4,1 – 14,4 ct/kWh liegen sie oft deutlich unter den Marktpreisen.

  • Windkraft (Onshore): Mit 4,3 – 9,2 ct/kWh ist Windkraft an Land eine der günstigsten Erzeugungsformen überhaupt.

  • Konventionelle Kraftwerke: Im Gegensatz dazu bestimmen fossile Gaskraftwerke über den „Merit-Order“-Effekt an der Börse oft den Preis, da sie die teuersten Grenzkosten haben. (Gas: 20-35 ct/kWh, Kernkraft 15-45 ct/kWh) Hohe Preise sind heute primär durch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bedingt.

2. Effizienz als Markttreiber

Physikalisch effektivere Techniken setzen sich historisch immer durch. Dies wird besonders im Vergleich der Antriebstechniken deutlich:

  • Elektromotoren erreichen einen Wirkungsgrad von ca. 95 %, während Dieselmotoren nur etwa 32 % der eingesetzten Energie in Bewegung umsetzen.

  • E-Fuels & Wasserstoff: Diese benötigen das 3- bis 4-fache an Energie (und damit 3- bis 4-fache Kosten) im Vergleich zur direkten Elektrifizierung durch Wärmepumpen oder E-Autos. Selbst Importe aus sonnenreichen Regionen wie Saudi-Arabien könnten diesen Kostennachteil aufgrund von Transport und Gewinnspannen kaum kompensieren.

3. Exponentielles Wachstum: Die neue Realität

Wir befinden uns in einer Phase des exponentiellen Wachstums der erneuerbaren Energien. So hat sich in den letzten zwei Jahren die installierte Kapazität an PV weltweit von 1TW auf 2 TW verdoppelt. Während bei alten Technologien (Kernkraft, Kohle, Verbrenner) schon der Markt gesättigt ist , sinken die Kosten für Speicher und Erneuerbare durch Skaleneffekte massiv. Wer jetzt noch auf alte Technologien setzt, riskiert, an einem „deutschen Sonderweg“ mit hohen Kosten für E-Fuels oder H2 in ineffizienten Sektoren festzuhalten, was Schätzungen zufolge etwa 25 Mrd. € pro Jahr (ca. 5 % des Bundeshaushalts) kosten könnte.

4. Versorgungssicherheit und Speicher

Erneuerbare Energien haben natürlich das Problem der Volatilität, das heißt, das es Dunkelflauten geben könnte. Allerdings bietet gerade dies ein enormes wirtschaftliches Potential für Deutschland, das hier deutsche Firmen innovative, technische Lösungen anbieten, die dann weltweit vertrieben werden. Auch jetzt schon bleibt die Versorgungssicherheit gewährleistet, wenn wir auf einen Mix aus Flexibilität und Speichern setzen:

  • Batterien: Haben heute bereits eine Kapazität von 10 GW in Deutschland und zeigen ein enormes Potenzial für die Zukunft.

  • Innovatives Lastmanagement und Sektorkopllung

  • Ergänzung: Biogas (7 GW), Wasserkraft (6 GW) und bestehende Gaskraftwerke (40 GW, perspektivisch H2-ready) sichern Dunkelflauten ab.

  • Netzausbau: Durch den Ausbau der Erneuerbaren im ganzen Land sinkt der Bedarf an massiven Übertragungsnetzen, was langfristig die Netzentgelte senken kann.

4. Lokale Wertschöpfung- Ein Rechenbeispiel für uns

Der Markt hat entschieden: Windräder und Batterien werden gebaut – entweder durch externe Investoren oder durch uns als Gemeinde.

Ein Windrad lohnt sich:

  • Ertrag: Ca. 5.300 MWh pro Jahr bei einem Verdienst von ca. 389.550 €.

  • Amortisation: Bei einem Preis von 4,2 Mio. € ist die Anlage nach ca. 11 Jahren abbezahlt.

  • Das Potenzial für unsere Gemeinde (Schätzung eines Mischkonzepts): Durch eine Public-Private-Partnership (PPP) könnten jährlich folgende Cashflows erzielt werden:

  • Gemeinde: Ca. 561.281 € (aus GmbH-Anteil und Gewerbesteuer).

  • Bürgergenossenschaft: Rendite von ca. 5,3 % auf das eingesetzte Kapital der Bürger.

Gesamtprojekt: Ein jährlicher Cashflow von über 2,36 Mio. € bleibt in der Region.

Fazit

Die Energiewende ist keine Last, sondern ein wirtschaftliches Modernisierungsprogramm. Der Markt hat sich bereits für die effizientesten Technologien entschieden. Wenn wir diesen Ausbau aktiv gestalten, sichern wir nicht nur das Klima, sondern auch die finanzielle Handlungsfähigkeit unserer Gemeinde für die nächsten Jahrzehnte.