Was der freie Markt nicht regeln kann

30. November 2021

Was der freie Markt nicht regeln kann Vortrag von Pfarrer Uwe Lang, Börsen- und Finanzexperte am 22.11.2021 in Dinkelscherben bei der öffentlichen Monatsversammlung der SPD

Der anerkannte Finanzexperte („Der Aktien Berater“, „Der Börsen Berater“) Uwe Lang, ev. Pfarrer i.R. referierte im Gasthof Adler in Dinkelscherben im Rahmen der öffentliche Monatsversammlung des SPD Ortsvereins über die Notwendigkeit staatlicher Regulative für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wo besteht die Aufgabe des Staates, der freien Marktwirtschaft Grenzen zu definieren zum Wohle der Bevölkerung.

Um es auf den Punkt zu bringen: Gerechtigkeit und Menschlichkeit sind nicht nur wichtigster Bestandteil der christlichen Ethik, auch das friedliche Zusammenleben unserer Gesellschaft ist davon abhängig. Im Moment sehen wir auch in unserer Demokratie die sich immer weiter sich öffnende Schere

in der Verteilung der Vermögen. Die Armen werden mehr und die reichsten 5% der Deutschen besitzen 55% des Gesamtvermögens unserer Bevölkerung. Schon Adam Smith (1723 -1790), der Erfinder des Wirtschaftsliberalismus erkannte die Gefahren der freien Marktwirtschaft. Er war jedoch davon überzeugt, dass „die Reichen auch nicht mehr essen können als ihr Magen fasst“. Betrachtet man das Vermögen von Leuten wie Zuckerberg, Gates, Musk, Klatten und so weiter, dann ist festzustellen, dass die Mägen von Menschen sehr, sehr dehnbar sind. Dabei brauchen wir nicht allein auf die Reichsten der Reichen zu schauen, auch die unanständigen Topverdienste von Managern, ja auch von Vorständen von Kranken- und Sparkassen lassen Zweifel aufkommen über das Fassungsvermögen von Mägen, respektive die Gerechtigkeit der Einkommensverteilung. Die Möglichkeiten zur Steuervermeidung für die Superreichen einzugrenzen ist in diesem Zusammenhang ebenso eine notwendige Maßnahme. Der Referent Uwe Lang legte in seinem Vortrag an Beispielen schonungslos offen, wo die Knackpunkte sind und wo der freie Markt versagt hat und wo der Staat regulierend das Heft in die Hand nehmen muss. Wir konsumieren immer noch Güter und Nahrungsmittel an denen das „Blut“ von Kindern und Zwangsarbeit klebt. Hauptsächlich billig! Das Lieferkettengesetz, ein staatliches Regulativ, soll hier eingreifen, muss aber noch weiter angepasst werden. Nicht verständlich ist auch die zunehmende Privatisierung im Gesundheitswesen. Muss der öffentliche Nahverkehr gewinnbringend sein? Warum wird das Wohnen für viele Bevölkerungsschichten zum finanziellen Fiasko oder gar unbezahlbar? Der sich im vollen Gange befindliche Klimawandel stellt die Herausforderung der nächsten Dekade dar. Das Erreichen einer globalen Temperatursteigerung von maximal 1,5°C kann nicht dem Markt auf freiwilliger Basis überlassen werden. Dafür braucht der Markt, wie auch die vorgenannten Beispiele, staatlich formulierte Regeln und Eingriffsmöglichkeiten. In unserer demokratischen Gesellschaft ist zum Zusammenhalt und dem friedlichen Miteinander ein staatliches Regulativ erforderlich. Die gewinnorientierte Wirtschaft muss in den existentiellen Lebensbedürfnissen zum Wohle der Bevölkerung eingeregelt werden.

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